MENÜ

C O S T A . R I C A

  Video
  Karte

Das fruchtbare Paradies

FOODBOOM TRAVELER unterwegs in Zentralamerika, in Costa Rica! Auf Spanisch übersetzt bedeutet Costa Rica "reiche Küste". Kein Wunder, denn es ist eines der fruchtbarsten Länder der Welt und zählt sogar zu den Pionieren für Nachhaltigkeit. Es schmeckt an jeder Ecke anders gut. Ein Paradies für Köche wie Hannes!

Make Food not War – das Motto scheint zu Costa Rica bestens zu passen. Denn schon seit 70 Jahren steckt das kleine Land in Zentralamerika sein Geld lieber in den Naturschatz statt in die Armee. Bereits 1948 wurde diese zugunsten der Förderung von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen abgeschafft. 

Das Land gilt als eines der fortschrittlichsten Lateinamerikas. Nahezu 100 % seines Strombedarfs wird mittlerweile aus regenerativen Quellen gewonnen und der Ökotourismus wird stark gefördert. Rund 27% der Landesfläche stehen unter Naturschutz. Ein Glück, denn die vielfältigen Naturlandschaften sind einfach beeindruckend!

Begleitet Hannes und seine Foodboom-Bande auf eine der erlebnisreichsten Reisen der Foodboom-Geschichte!

Gerade angekommen und los geht's ins erste Abenteuer: Eine gute Autofahrstunde von San José, der Hauptstadt Costa Ricas, entfernt, liegt, mitten in den Bergen versteckt in der Region Alajuela die Corso Lecheria Farm. Hier werden Lebensmittel selbst produziert, zubereitet und konsumiert. Ich, Hannes, treffe Tour-Guide und Landwirt Gilbert Hill

Gestartet wird mit einer kurzen Traktor-Spritztour durch die Berge bei 4 km/h. Wir halten an einem Stall mit Kühen und Kälbern an. Ich darf selbst die Hand anlegen und mir die 37°C warme Milch aus dem Euter pressen. Jeder kennt sicher den Geschmack von warmer Milch. Frische warme Milch direkt aus dem Euter ist allerdings nicht mit einem Kakao zu vergleichen. Ganz im Gegenteil: Die Milch hat einen hohen Fettgehalt und dieses Fett bleibt, für gefühlte 10 Minuten, am Gaumen kleben. Ich denke, es wird bei dem ersten Tasting aus dem Euter bleiben und meine geschmackliche Erfahrung an dieser Stelle auch abschließen.

Die Farm zählt rund 800 Milchkühe. Die Kühe produzieren am Tag zirka 8000 Liter Milch, die zur Verarbeitung von Frischmilch, Joghurt, Eis, Quark, Frischkäse, Käse, Butter und Creme Fraiche benötigt werden. Verkauft werden die Lebensmittel im Hofladen und einem kleinen Laden im Herzen von San José. Der Großteil der Lebensmittel wird im Restaurant der Corso Lecheria verarbeitet und landet als Gaumenschmaus auf den Tellern der Besucher.

Hill stellt mir Arturo, den Küchenchef des Restaurants vor. Köche untereinander verstehen sich blind und ohne viele Worte. Die sprachliche Barriere zwischen Deutsch und Spanisch? No hay problema!

Arturo zeigt mir die Zubereitung der hauseigenen Tortillas, die wir mit Rind, Papaya und Schwein füllen. Die Kombination aus gekochter Papaya und Schwein ist so saftig und intensiv lecker, dass man trotz Sättigung gut und gerne weiter essen kann...

Als wir dann auch Bananen ins offene Feuer legen werde ich allerdings stutzig... Arturo erzählt mir von einem traditionellen Gericht aus Banane, hauseigenem Käse und Sahne, mit geschmeidigen 60% Fettanteil, ein traditionelles Gericht kochen wird. Was wohl daraus entsteht?

Er kocht die Sahne mit braunem Zucker auf, schält die Banane, halbiert diese und gibt das Zucker–Sahne-Gemisch darüber. Zur Abrundung wird noch mit einer Messerspitze Zimt und etwas geriebenem Käse verfeinert. Während das ganze circa 6 Minuten unter einem Grill steht und karamellisiert, frage ich mich immer noch, was das Ganze werden soll... Bis ich probiere! Denn ich stelle fest: Ich habe den wohl interessantesten Nachtisch meines Lebens zubereitet bekommen! Kein Vergleich zu einem Kuchen, Mousse, Grütze, Bratapfel oder was wir als Dessert verstehen. Es ist eine geschmackliche Kombination aus flambierter Banane vom Japaner, mit der Karamellsauce von einem Eis und dem Käse auf einer Lasagne, die man am liebsten so runter essen möchte. 

Dieses Rezept bekommt auf jeden Fall einen Platz in meinem Rezeptbuch!

Mit vollem Bauch und frischen Gedanken entdecken wir auf dem Rückweg nach San José die wunderschöne Gegend Alajuela. 

Der Wecker klingelt sehr früh und die Nacht war eher unruhig... Warum? Wir fliegen heute mit einer Cessna, einem kleinen Propeller-Flugzeug, an die Karibikküste, die Ostküste Costa Ricas.

Am Vorabend telefonierte ich noch mit meiner Freundin, die mir folgende Checkliste mit auf den Weg gab 1. Frage den Piloten, wie viele Flüge er bereits selber geflogen sei! 2. Nimm das Flugzeug nach deinen Gesichtspunkten von außen unter die Lupe! 3. Wie viel Benzin ist im Tank?

Was ich heraus bekomme: Mein Pilot Steven hat bereits 3000 Flüge in der Cessna geflogen und macht auf mich einen sehr fitten Eindruck. Die beiden weiteren Punkte auf der Liste muss ich ihm dann anvertrauen. Ich denke (und hoffe), dass auch er am Ziel ankommen will...

Und es gibt eh keine Wiederrede, es geht ab in die Luft. Ein einzigartiges Gefühl in einem Sportwagen zu fliegen und die Umgebung zu beobachten. Nach 45 Minuten geht es in einem großen Bogen runter auf die Landebahn der Region Limón. Im Sinkflug spüre ich bereits die klimatischen Veränderungen. Die Karibikküste Costa Ricas ist deutlich wärmer und feuchter. 

Wir sind heute mit Melissa vom Stamm der Siwa Kabata, verabredet. Das indigene Volk ist dafür bekannt, ihre Nahrung aus dem Dschungel zu beziehen, Lebensmittel selbst anzubauen und von Tauschgeschäften zu leben.

Während der Fahrt riecht es auf einmal sehr verdächtig nach Marihuana. Der Busfahrer entgegnete meiner Anmerkung mit leicht verschmitzter Stimme: „Welcome to the Caribbean“.

Plötzlich ist die Straße nicht mehr asphaltiert und es geht auf einer holprigen Kiesstrecke weiter. Dieser Übergang der Straße markiert auch die Grenze zwischen dem Besitz des Staates und dem Indigenen Volk. Bei einem kleinen Zwischenstopp am Straßenrand, erklärt mir der Busfahrer die Blüte einer Pflanze, die sich später als der Safran Costa Ricas entpuppt.

An einer Flusskreuzung angekommen, werde ich von Douglas und Michael in Empfang genommen. Melissa hat sie vorbei geschickt, um mir den nahegelegenen Fluss zu zeigen. Die beiden fahren mit mir Fluss abwärts, das kann ich nach diesem Cessna Flug gut gebrauchen. Ruhe, Entspannung und frische Luft.

Wir halten an einer kleinen Mündung, mitten im Nirgendwo, an und Michael versucht mir das Angeln beizubringen. Douglas hingegen läuft schnurstracks in den Dschungel. Er will mir etwas zeigen und ruft mich aus der Weite. Seine Entdeckung: Eine herausstehende Wurzel, die wir unbedingt ausgraben sollten. Aufgrund unserer gemeinsamen Sprachbarriere verstehe ich nicht wirklich, was er mir erklären will und warum wir die Wurzel tatsächlich durch den Dschungel ins Boot schleppen sollten. Ich nehme es mit Humor.

Der Fischfang blieb leider ohne Ergebnis . Auch das nehmen wir alle mit Humor. Wir machen wir uns auf den Weg zurück zum Hafen. Unterwegs fische ich eine Staude Bananen aus dem Wasser. Nicht ohne Grund, denn an diesem kleinen versteckten Ort der Erde findet einer der größten Bananenexportgeschäfte der Welt statt. Diese Region ist durch ihr Klima, den fruchtbaren Boden und die Regenzeit für guten Anbau von Obst und Pflanzen bekannt.

Kurz vor dem Hafen stoppen wir und Michael organisiert einen Fisch zum Abendessen. So langsam verstehe ich, warum der Stamm für seine Selbstversorgung bekannt ist.

Am Hafen angekommen, entdecke ich Melissa beim Kastanio sammeln. Eine Art Esskastanien, wie wir sie in Europa auch kennen, nur viel größer und von einem süßen Schleim umgeben. Melissa begrüßt mich herzlich und freut sich über die mitgebrachten Lebensmittel.

Wir machen uns direkt auf den Weg zu ihr nach Hause. Als wir bei ihr ankommen, traue ich meinen Augen nicht: In einer versteckten Auffahrt liegt ein kleines Paradies mit Hütten, Kräuter- und Gemüsegarten, fließendem Wasser, Toiletten, Elektrizität, einem Fernseher und einem Basketballkorb für die Kids, der aus einer alten Fahrradfelge gebaut war.

Ich weiß nicht, warum mein Kleinhirn beim "Indigenem Volk" an bemalte Menschen mit selbst gemachter Kleidung denkt, die in Tippis leben und am offenen Feuer kochen? Auf jeden Fall werde ich heute eines Besseren belehrt...

Melissa stellt mir ihre Familie vor und ich merke schnell, dass es ein unglaublich entwickelter Stamm ist. Wobei ich mit der offenen Feuerstelle Recht behalte. Die Küche ist zentraler Anlaufpunkt und Familientreffpunkt. Eine Außenküche, wie man sie nur aus Erzählungen kennt, offene Flamme, jede Menge Feuerholz und keine Technik, außer einer kleinen Lampe. Die komplette Küche ist von jeder Seite offen und mit einem Blechdach bedeckt. Der Abfluss geht direkt in den Dschungel. In meiner Welt ein wahrer Traum.

Melissa erzählt mir, dass in der Küche nur eine stehen dürfe, und das ist das Familienoberhaupt, ihre Mama Mit mir mache sie aber eine Ausnahme und ich darf ihr beim Kochen unter die Arme greifen.

Gekocht wird natürlich auf dem offenen Feuer, die Stufe der Hitze wurde durch die Menge des Feuerholzes reguliert. Er riecht bereits nach geräuchertem und ich bekomme richtig Hunger.

Die Mama hatte bereits über mehrere Stunden Schweinefleisch über der Flamme geräuchert und getrocknet. Dieses wurde im Anschluss ordentlich gewaschen und für fünf Minuten im Wasser gekocht. Der Kochsud wurde weggeschüttet und mit neuem Wasser aufgegossen. Dazu gibt sie noch Kochbanane, Chili, Mais und etwas Salz. Für weitere 30 Minuten köchelt der Eintopf.

Die Kreation schmeckt sehr aromatisch und der Sud passt hervorragend zu Reis und Bohnen. Seit rund 48 Stunden bin ich nun schon im Land und hatte zum vierten Mal Reis und Bohnen gegessen.

Den Fisch nehmen wir aus und würzen ihn mit Salz und Pfeffer. Anschließend wird er in heißem Fett ausgebacken. Dazu gibt es eine Wurzel Namens Mnajm, eine Art Maniok. Er wird geschält, in Salzwasser für circa 30 Minuten gekocht und im Anschluss mit einer Gabel gestampft.

Im Vorfeld haben Melissa und ich aus dem hauseigenen Garten Gemüse und Kräuter geerntet. Ich brate in einer separaten Pfanne, Sellerie, Zwiebel, Lauch, Paprika und Chili an. Das Gemüse habe ich mit Achiote Samen unter den Maniokstampf gehoben. Achiote Samen kommen aus der Blüte des Achioto Baumes. Diese Früchte sind stark rot färbend und dienen zum Einfärben der Gerichte, der Bemalung der Völker und zur Abwehr von Moskitos.

Das Püree wird von Melissas Mutter abgeschmeckt, für gut gehalten und deswegen darf ich mein Gericht am großen Tisch für die Familie servieren.

TRAVELER

Maniokstampf mit gebratenem Gemüse

35 min
Mittel
€€€€€

Zum Nachtisch gibt es selbstgebrannten Vodka in der Kokosnuss serviert. Gesättigt, völlig erschöpft und voller neuer Impressionen legen wir uns schlafen.

Mitten in der Nacht wackelt das auf Stelzen gebaute Holzhaus plötzlich stark und reist mich aus dem Schlaf... Was war das ???

Am nächsten Morgen erzählen uns die Einheimischen ganz unbeeindruckt, dass es in der Nacht ein Erdbeben gab. So ist das halt im Dschungel. Alles ganz normal. 

Miha begrüßt uns mit einem Kaffee und einem Frühstück, bestehend aus Reis, Bohnen, Eiern und in Fett gebackenem süßen Hefebrot. Die Leute leisten hier harte körperliche Arbeit auf dem Feld oder als Fischer und freuen sich über dieses reichhaltige Frühstück.

Nach dem Frühstück zeigt sie mir, wie die Kakaobohne verarbeitet wird und wie aus der Bohne ein Kakao zum Trinken wird.

Die Bohne wird zuerst über mehrere Tage getrocknet, um im Anschluss in einem riesigen Topf geröstet zu werden. Beim Rühren der Bohnen riecht es bereits nach Kakao. Nach dem Rösten musste ich mit einer Art Stößel die Bohnen zerkleinern. Dabei trennt sich die Schale von der Bohne. Durch starkes Schütteln und dem ein oder anderem Schwenken der Schüssel, trennt der Wind die restliche Schale von den Bohnen. Diese Schalen sind reich an Bitterstoffen und sollten deshalb von der Bohne getrennt werden.

Im Anschluss gebe ich die Bohnen in eine Art Fleischwolf und verarbeite diese Paste von Hand. Der Kakao-Geruch wird immer intensiver. Im Anschluss wird die Paste dann zu kleinen Kugeln geformt und auf ein Bananenblatt gelegt. Während ich die Kugeln forme, setzte Miha Wasser auf, in dem der Kakao aufgelöst wird. Dies ist der Ursprung des Kakao-Heißgetränks. Die Europäer haben es mit Zucker und Milch weiterentwickelt.

Die Familie hält aber an der Tradition fest und genießt den Kakao weiterhin wie früher. Was für ein intensives Geschmackserlebnis!

Danach darf ich mit Melissa auf eine kleine Dschungel-Erkundungstour gehen. Sie besteht darauf, mir ihre Dschungel-Apotheke zu zeigen. Hier gibt es alles ohne Rezept! Ob Zahnschmerzen, Übelkeit, Fieber, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen und selbst gegen Schlangenbisse hat die Natur-Apotheke etwas zu bieten.

So eine Tour bei hohen Temperaturen macht durstig. Spontan schlägt Melissa mit ihrer Machete eine Wurzel durch und reicht mir den Strang zu. Ich halte sie nach oben und es erklingt ein Geräusch, das sich anhört als würde sich eine abgestellte Wasserleitung wieder mit Wasser füllen. Es gurgelt und plötzlich fließt Wasser aus der Wurzel. Wie aus einer Flasche, kann plötzlich Wasser ich aus der Wurzel trinken. Verrückt.

Der Ausflug hat mir klar gemacht, in welch einer Parallelwelt ich lebe. Alles ist geregelt und wenn ich Hunger habe, rufe ich einfach den Pizzadienst und bekomme mein Essen nach Hause geliefert.

Die Verabschiedung ist sehr herzlich und freundschaftlich. Im Grunde wie bei der eigenen Familie. Ich bin sehr dankbar für diese wertvollen Erfahrungen.

HIER GEHT'S ZUM VIDEO >>>

Wir machen uns zurück auf die von Schlaglöchern durchbohrte Straße, um Selvin in seinem Restaurant zu treffen.

Selvin eröffnete in den 80iger Jahren ein Restaurant, damals noch ohne Strom und Wasser und war damit im Umkreis von 10 Kilometern, das einzige am Strand.

Mit sanften Reggae Beats und einem herzlichen „Welcome to my Kitchen“ begrüßt Selvin mich am Küchenfenster des Restaurants. Die Küche an sich macht einen positiven Eindruck: Ohne viel Chi Chi, mit offenen Gasherden, einer verrosteten Kühltruhe und freundlich-lachende Menschen.

Er lädt mich ein, mit ihm sein Rezept zu dem traditionellen Fischgericht Ran Dan vorzubereiten. Dazu benötigten wir Kokosnussmilch. Die Kokosnuss wurde aus der Schale geschlagen und auf einer selbstgebauten Reibe aus Dachblech gerieben. Die Raspeln vermengen wir mit Wasser. Im Anschluss wird der Sud über einem Sieb ausgepresst und zack, haben wir wohl die frischeste Kokosnussmilch der Welt. Diese Milch ist mit unserer verpackten einfach nicht zu vergleichen.

Während die Kokosnussmilch auf eine der vielen Gasplatten vor sich hin kocht, schneiden wir die unterschiedlichsten Gemüsesorten. Mais, Yuka, Süßkartoffel, Lila Kartoffel, Paprika, Sellerie, Knoblauch, Chili, Zwiebel und Thymian. Das Ganze wird dann in ein Bananenblatt gewickelt. Dazu noch blaue Krebse halbiert und Marlin Fisch und Makrele in Stücke geschnitten. Etwas Salz und Pfeffer dazu und im heißen Fett gebraten. Das Gemüse und den Fisch geben wir im Anschluss zur Kokosnussmilch, wo es dann noch für weitere 25 Minuten gekocht wird.

Die Zeit nutze ich, um eine kleine Erfrischung im karibischen Ozean zu nehmen.

Im Anschluss wird alles noch einmal abgeschmeckt und fertig ist die karibische Bouillabaisse. Ein Gericht, das ich unbedingt zu Hause nachkochen muss. Und ihr könnt es auch!

HIER GEHT'S ZUM VIDEO >>>

TRAVELER

Karibischer Fischeintopf

60 min
Mittel
€€€€

Als ich beim Aufwachen auf den grauen Himmel schaue, wird mir bewusst, dass wir ja (eigentlich) genau zur Regenzeit in Costa Rica sind. Zum ersten Mal seit unserer Ankunft ist es bewölkt und die Sonne lässt sich nur selten blicken.

Ich entschließe zum Hafen von Cahuita zu fahren und zu schauen, ob ich heute noch mal zum Fischen komme. An Bord eines kleinen Bootes befinden sich Eddi, der Schnorchel-Guide und Manuel, ein 73 Jahre alter Kapitän, der einige Angelrouten mit ins Boot brachte. Sie laden mich direkt ein, mit raus zu fahren. Na dann los...

In der Nähe des Cahuita Nationalparks gehe ich mit Taucherbrille und Schnorchel von Bord und genieße den Blick auf die Korallen.

Während ich am Schnorcheln bin, fängt es plötzlich an in Strömen zu regnen. Dieses Gefühl in einer warmen Badewanne zu sitzen und von oben kommt kaltes Duschwasser dazu, kannte ich so auch noch nicht. Ein beeindruckendes Gefühl, das mich vor Freude schreien lässt: Pura Vida!

Kaum bin ich wieder auf dem Boot, zeigt sich auch die Sonne. Mein T-Shirt hängt zum Trocknen im Wind und ich will nun unbedingt etwas angeln.

Wir merken Manuel schnell an, dass es für das Fische fangen aber wohl mittlerweile etwas zu spät sei. Gegen 5 Uhr morgens wäre die beste Zeit, um auf dem Meer erfolgreich zu sein. Da sind wir wohl etwas spät...

Die frische Seeluft und das Adrenalin machen mich so hungrig, dass ich für Essen einiges tun würde. 

Manuel und Eddi empfehlen uns die gute Fischküche von Edith's Restaurant direkt am Hafen. Gesagt, getan. Beim Restaurant angekommen, treffe ich auch direkt auf Edith. Eine ältere Frau, die zwischen der Ausgabestation der Küche und dem Restaurant an einem Tisch sitzt, die Gäste begrüßt und dem Personal freundlich Anweisungen gibt.

Ediths Präsenz ist beeindruckend, obwohl sie einfach nur da sitzt. Eine „Big Mama“ mit großem Herz, wie sich später herausstellt.

Edith lädt mich direkt ein, einen Blick in ihre Küche zu werfen. Hier treffen wir auf Walther, ihren Neffen und Bon Tie, der bei den Schnippelarbeiten unterstützen könne, um sich sein Taschengeld aufzubessern.

In der Küche herrscht karibisches Flair. Leckere Gerüche, tropisches Klima, bunte Farben, Kokosnüsse, Limetten und jede Menge Fisch.

Edith berichtet, dass keines ihrer Gerichte nach einem Original Rezept gekocht sei.

Sie erlernte damals das Kochen von ihren Eltern und Großeltern. In ihrer Küche wird das verarbeitet, was gerade da ist. Fisch, Chicken, oder nur mal Gemüse, aber immer mit einer ordentlichen Portion Kokosnussmilch und Panamenio, der wohl schärfsten Chili der Karibik.

Ich darf den Topfgucker machen. Der wohlriechende Duft eines Hähnchengericht mit Thymain in Kokosnussmilch zieht durch meine Nase. Dazu gebackener Fisch, Platananas Chips und Reis mit Bohnen.

Walther zeigt mir seine Art des Fisch-kochens. Er kocht den Fisch in Kokosnussmilch, mit Zwiebeln und Ackee, einer gehaltvollen Baumfrucht von deren Rohverzehr abgeraten wird, die nach dem Kochen aber unglaublich lecker sein soll.

Hin und wieder fällt der Strom aus und wir kochen ohne Licht und Strom weiter. Alles easy hier.

Was ich heute mitnehme? Es sind oft die kleinen und nicht so aufwändigen Zubereitungen, die ein Rezept so richtig lecker machen.

Edith verabschiedet mich so herzlich, wie ihren eigenen Sohn und gibt mir mit auf den Weg, dass ich ab sofort jeden Morgen Kokosnuss zum Frühstück essen sollte. Eine Begegnung, die ich so schnell nicht vergessen werde.

HIER GEHT'S ZUM VIDEO >>>

Am fünften Tag der Reise bin ich mit Jose, einem der wohl besten Köche San Joses und einem richtigen Pionier, verabredet. Er ist Inhaber des Restaurants  Al Mercat. Der Name bedeutet übersetzt "zum Markt". Aber dazu später mehr.

Beim Betreten seines kleinen, hippen Restaurants bin ich absolut beeindruckt von der Schlichtheit und Genialität der Architektur. Ich fühle mich ein bisschen wie im Großstadt-Dschungel, denn aus jeder Ecke wachsen Pflanzen, das Interior Design besteht nur aus natürlichen Materialien und ist dabei puristisches und funktional. Es erinnert mich an einen kurzen Aufenthalt im Noma in Kopenhagen.

Passend zur Gestaltung seines Restaurant, verarbeitet Jose auch in seiner Küche ausschließlich natürliche Zutaten aus Costa Rica.

Er erzählt mir von seiner beruflichen Laufbahn, die mich direkt schwer beeindruckt: Denn noch vor 10 Jahren studierte er Jura an der Universität von San José. Er stellte nach Abschluss des Studiums allerdings schnell fest, dass er nicht im Anzug in einem Büro sitzen will, sondern mit Menschen und Essen zu tun haben möchte, Er möchte Dinge verändern und Neues erschaffen. Kurz darauf änderte er alles und ging für fünf Jahre nach Paris, um das Kochen zu lernen.

Als er aus Europa zurückkehrte, eröffnete er ein Restaurant in einem belebten Stadtteil, welches er selber „Hipster Town“ nannte. Er konzentrierte sich auf die essbaren Bodenschätze Costa Ricas und lebt heute sogar vegetarisch.

José beschreibt sich selbst als kulinarisches Chamäleon. Er findet, dass der Mensch sich seiner Umgebung anpassen sollte. In Frankreich hat er viel Fleisch konsumiert, da es alle um ihn herumgetan haben. 

In seinem Restaurant bietet er neben der großen Vielfalt an Früchten, Gemüsen und Kräutern, auch Produkte wie Rind, Schwein und Austern an. Aber alles lokal. Woher genau bezieht er all diese Zutaten frage ich mich.

Wie der Name des Restaurants schon erklärt: Es geht zum Markt! Zum größten Bauernmarkt Costa Ricas, der keine fünf Minuten von seinem Restaurant entfernt ist. Hier kauft Jose all das, was er nicht selbst anbaut. Aber wieder nach dem Motto: Regional und nachhaltig.

Der Markt ist gut besucht und an jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken! Ich merke, wie leidenschaftlich Jose bei der Sache ist und lasse mich von ihm richtig mitreißen. Wir probieren und probieren und ich komme aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich habe selten Menschen getroffen, die sich mit einer solchen Hingabe auf das fokussieren, das sie lieben. An jedem zweiten Stand halten wir an. Er zeigt mir Früchte und Obst, von denen ich mindestens 10 zum ersten Mal gesehen und geschmeckt habe. Wahnsinn!

Was mich richtig aus den Socken haut: Der Geschmack einer kleinen Kokosnuss, die in dem Kern einer großen Kokosnuss gewachsen ist. Der Geschmack ist ungefähr vergleichbar mit einem Microcake, Marschmallow und getrockneter Kokosnuss in einem. Nur etwas natürlicher vielleicht.

Vom Markt aus geht es auf die Finka, oder eher Farm, seiner Familie, die unweit vom Zentrum San Josés gelegen ist und keine 20 Fahrminuten vom Markt entfernt liegt. Die Familie baut dort für befreundete Restaurants, für den Markt und für ausgesuchte Supermärkte Gemüse und Kräuter an.

Nach einer ausführlichen Tour über das große Anwesen, an dem an wirklich jeder Ecke etwas fruchtbares wächst, geht's an den Grill. Wir haben uns reich bedient an frischen Gemüse und Kräutern und hauen die einfach auf den Grill. José und ich kochen uns durch die Vielfalt der Zutaten: Rote Bete, weiße Aubergine, Banane, Erbse, Gurken, Knoblauch, Zucchini, Fenchelkraut, Sellerie, Anis, Chili und und und. Selbst die Minigurken schafften es für vier Minuten darauf. Für mich bitte ab sofort Gurke nur noch gegrillt.

Schon zuvor für uns vorbereitet hatte Jose geröstete Erdnüsse in Curry, Kakaobohnen in Zucker karamellisiert und Kokosnussmayonnaise. Welch ein genialer Geschmack, das kann ich Euch sagen!!

Platano (eine Art Banane, nur mit mehr Stärke) wurde gegrillt und mit Karamell, gerösteter Kakaobohne und Anisblättchen serviert. Das Rezept findet ihr hier!

Ein Cracker aus Mais mit Kokosnussmayonnaise und einem lauwarmen Zucchini-Salat mit Basilikum, war ein regelrechter Gaumenorgasmus. Gefolgt von gegrillter, lauwarmer Rote Beete, mariniert mit Mandarin-Limetten Saft, gerösteten Curry Erdnüssen und Koriander.

Der gedeckte Tisch wirkte wie eine riesige Malpalette eines Künstlers, nur eben mit einer bunten Auswahl an Lebensmitteln. Jose ist eher ein Art-Direktor als ein Koch. 

TRAVELER

Kochbanane mit Kakaobohnen und Karamellsauce

65 min
Leicht
€€€€€
TRAVELER

Rote-Bete-Salat mit Curry-Erdnüssen

50 min
Leicht
€€€€€

HIER GEHT'S ZUM VIDEO >>>

Der Ausflug mit José ist ein absoluter Traum für mich! Es gibt jede Minute etwas Neues zu Entdecken und Schmecken.

Solltet ihr jemals in San Jose sein, besucht unbedingt sein Restaurant „Al Mercat“ und bucht eine seiner Führungen auf der Finka und spürt selber den Geschmacksexplosion. This is where food goes boom...

In unserer aktuellen Ausgabe des FOODBOOM Magazins gibt es übrigens einen spannenden Reisebericht zu unserem Besuch bei Jose! Ab zum Kiosk :-)

Wir machen uns früh morgens in der Dunkelheit auf den Weg zu Ronaldo vom Restaurant Vista Mar. Mit ihm sind wir zum Hochseeangeln verabredet. Der Deal: Sollten wir etwas fangen, richten wir in seinem Restaurant Ceviche und Carpaccio von der Dorade an, das für die Gegend bekannt ist.

Gemeinsam mit Ronaldo und seiner Crew geht's direkt zum Hafen von Herradura. Im Full-Speed fahren wir 20 Seemeilen auf weite Meer. Mit Sicht auf das weite Meer und schwerer Wolkendecke bekommen wir die Regenzeit volle Power zu spüren. Wir sind 20 Seemeilen vom Land entfernt und außer Wasser, dem Boot und der Regenwolke ist weit und breit nichts zu sehen. Das macht den Kopf frei! 

Mike, unser Fischer und Kapitän, erklärt mir, wie das Fischen auf hoher See funktioniert. Beim Anblick der Fischköder wird mir schnell klar, dass wir hier keine Forellen fangen werden. Beim Hochseeangeln wird der Köder mit zirka 40 Meter Leine ins Wasser gegeben, die Spule festgestellt und die Angel in eine dafür vorgesehene Halterung gesteckt. Dabei fährt das das Boot langsam weiter. Es dauert keine zwei Minuten und die Angel wackelt hektisch und zieht Leine.

Mike setzt mich in einen Stuhl und die Angel kam in die Halterung. Ich darf sie nicht festhalten und begreife schnell warum. Was auch immer ich da an der Leine habe, es will nicht aus dem Wasser. Es ist unglaublich schwer die Spule aufzuziehen, der Fisch kämpft um sein Leben und es dauert sicher 10 Minuten, bis ich überhaupt eine Flosse erblicken kann.

Im Wasser entdecke ich plötzlich ein blau-gelbliches Schimmern,. Ich habe einen Fisch am Haken, den ich von der Form und seinen Glanz der Farben nur aus einem Lexikon kannte. Ein spannender und auch emotionaler Moment zugleich. Zum einen angele ich den ersten Fisch meines Lebens direkt aus dem Ozean und zum anderen, bezahlt dieses wunderschöne Lebewesen dafür mit seinem Leben.

In diesem Augenblick fängt es an, wie aus Eimern zu schütten. Als wolle der Himmel diesen Moment noch mehr Dramatik verleihen.

Ronaldo bemerkt meinen kleinen emotionalen Ausbruch, er gratuliert mir zu meinem ersten Fang und sagt: „Hannes, fressen und gefressen werden“. Seine Worte beruhigen mich ein wenig und wir fahren weiter durch die Regenfront hindurch, bis wir wieder im Sonnenschein sind. Ich kann verstehen, warum man früher dachte, dass die Erde eine Scheibe sei. Soweit das Auge reichte, alles war flach.

Der Fisch ist übrigens eine Dorade und heißt bei den Einheimischen Mahi-Mahi. Von Oktober bis Dezember ist Fangsaison dieses stattlichen Fisches.

Wir angeln innerhalb einer Stunde neun dieser Exemplare, wobei wir den zwei Weibchen die Freiheit schenkten. Auf dem Rückweg durch die Regenwand, filetieren und portionieren wir die Fische direkt auf dem Boot. Mit dem ordentlichen Fang an Frischfisch, kehren wir zurück zum Restaurant von Ronaldo. 

TRAVELER

Céviche von der Dorade mit Paprika und Koriander

70 min
Mittel
€€€€€

Ronaldos Céviche gibt er neben Limetten-Mandarinen Saft  noch Sprudelwasser und Ginger Ale. So kann es für zwei Tage im Kühlschrank frisch gehalten werden. Bei jeder Bestellung wird frische Zwiebel, Paprika, Koriander-Salz und Pfeffer untergemischt. Dazu serviert er Yuca und Kochbananenchips.

Das Carpacchio wird mit Olivenöl, Limetten-Mandarinen Saft, Salz, Pfeffer, Kapern, Koriander und Oliven mariniert. Dazu gibt's dunkle Sesamsauce.

Auch ich darf in seinem Restaurant den Kochlöffel schwingen. Es gibt Mahi-Mahi mit Zwiebelschmelze und lauwarmen Blumenkohl-Avocado-Salat. Meine Kreation schmeckt ihm anscheinend ganz gut. So gut, dass er es gerne demnächst auch auf seine Karte nehmen möchte, verspricht er mir. Ich bedanke mich bei ihm für den wundervollen Tag und genie´ße zum Abschluss der Reise den Sonnenuntergang am Strand.

TRAVELER

Dorade mit Curry-Blumenkohl und Avocado-Salat

20 min
Mittel
€€€€

HIER GEHT'S ZUM VIDEO !!!

Leider müssen wir zurück nach San Jose, da am nächsten Tag unser Flieger zurück nach Hamburg geht.

Danke für all diese Erlebnisse, die spannende Geschichten und die vielen neuen gehaltvollen Aromen. Pura Vida!

Habt ihr schon bei unserem Reise-Gewinnspiel mitgemacht?

FOODBOOM verlost in Kooperation mit GEBECO LÄNDER ERLEBEN und VISIT COSTA RICA eine 12-tägige Erlebnisreise nach COSTA RICA !!!!

Und sollte es mit dem Gewinn nicht klappen: Ihr könnt die Reise ganz einfach buchen und wie Hannes Costa Rica entdecken!